Lichtgestalten - Illustrationen zu Hirnherbst

'Hirnherbst' ist der erste Band der neuen Rubrik 'Poetenförderung' bei SternenBlick.
Durch die Illustrationen von Alexander Maul erhält das Werk eine erweiternde Komponente.
Wieviel Detail-Liebe in den Zeichnungen steckt, verrät er im Interview.

Stilbruch mit Erfolg

In der vergangenen Woche haben wir euch den ersten SternenBlick Poetenförderband der Zwillinge Kevin und Patrick Hattenberg vorgestellt. Hirnherbst zeigt einen Weg zu mehr Menschlichkeit. Dieser Prozess vollzieht sich nicht nur auf textlicher Ebene, sondern wird gekonnt auch durch die Illustrationen von Alexander Maul abgebildet. Als langjähriger Freund der Brüder, hat er sich gern dieser Herausforderung angenommen.
Im Interview verrät uns Alexander, warum die Zeichnungen eigentlich gar nicht seinem Stil entsprechen und welche Hürden er für seine erste Arbeit als Illustrator nehmen musste.

SternenBlick im Interview mit Alexander Maul


Seit wann zeichnest du? Was bedeutet es dir für dein Leben?


Alexander: "Wirklich intensiv habe ich mich ab dem Jahr 2009 mit dem Zeichnen beschäftigt. Ich hatte eine Idee für einen Comic, den ich unbedingt verwirklichen wollte. Als ich dann merkte, dass die Figuren und Perspektive nicht „richtig“ aussahen habe ich mich näher mit Proportionen und perspektivischem Zeichnen auseinander gesetzt. Ich begann Bücher zu den Themen zu lesen und machte Skizzen und Studien von Menschen, Gebäuden, Stillleben und allem möglichen, um besser zu werden. Zeichnen ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil meines Leben geworden. Ich versuche so oft wie möglich zu Zeichnen. Ganz einfach weil es mir viel Spaß macht. Vielen Bildern liegt eine Konversation oder eine witzige Geschichte zu Grunde. Oft werde ich auch durch den Dialog mit anderen Leuten inspiriert. "


Wie würdest du deinen Stil bezeichnen? Welche Mittel setzt du zur Gestaltung ein?


Alexander: "Ich habe lange überlegt, was meinen Stil eigentlich auszeichnet. Ein Freund sagte mir dann einmal Ihm gefiel mein feiner und sensibler Strich. In der Tat mag ich es sehr fein und genau zu arbeiten, z.B. weiche Übergänge mit Bleistift oder zarte Linien mit der Feder zu zeichnen. Deshalb musste ich mich bei diesen Illustrationen zwingen rauer und größer zu arbeiten, da dieser Stil besser zu dem Werk passt. Ich glaube, ich habe schon jedes Medium ausprobiert. Ich habe mit Bleistift angefangen und danach Kohle getestet. Außerdem habe ich viel mit Zeichenfeder, Tusche und Aquarell gearbeitet. Als ein Freund mir dann 40 Tuben Ölfarbe und Pinsel geschenkt hat, habe ich auch dieses Medium ausprobiert. Das hat mir auch gefallen, aber ich bin eher ein Zeichner und kein Maler. Am liebsten arbeite ich mit Bleistift, Tuschestift und Zeichenfeder. Außerdem zeichne ich sehr gerne digital, also mit meinem Graphiktablett und den Programmen Photo Shop und Manga Studio."


War deine Mitarbeit am Band "Hirnherbst" deine erste Arbeit als Illustrator? Was gewinnst du daraus für dich an Erkenntnis? Möchtest du künftig häufiger als Illustrator tätig sein?


Alexander: "Ich habe gelegentlich Bilder für Freunde gezeichnet, aber als Illustrator im eigentlichen Sinne war ich noch nicht tätig. Bei meiner Mitarbeit an „Hirnherbst“ habe ich gemerkt, dass ich noch stärker als sonst auf mein Zeitmanagement achten muss als sonst. Schließlich soll das Buch ja auch irgendwann gedruckt werden. Auch wenn es neben dem Studium zeitlich manchmal knapp wird, würde es mich freuen weitere Werke von anderen Dichtern illustrieren zu können."


Wie hast du für dich deine Auswahl aus den Texten der Hattenberg-Brüder getroffen? Empfindest du Gedichte als schwieriger zu fassen, um daraus Bilder zu erzeugen oder viel es dir leicht? Hat die Anzahl/Platzierung der Illustrationen eine erweiterte Aussage?


Alexander: "Das war relativ einfach. Ich habe alle Gedichte gelesen und die ausgewählt zu denen mir sofort etwas einfiel. Ich glaube es waren 15 oder 16. Das Buch beinhaltet sechs Kapitel mit insgesamt 60 Gedichten. Die Verbindung dieser beiden Zahlen war für mich die Zehn, deshalb habe ich mich entschieden zehn Illustrationen zu zeichnen.
Das variiert natürlich stark von Dichter zu Dichter. Gedichte á la „Die Katze sitzt auf der Matratze“ sind leicht zu fassen, bieten aber auch keine gestalterische Herausforderung. Im Fall von „Hirnherbst“ fiel es mir relativ leicht. Vielleicht deshalb, weil ich Kevin und Patrick schon seit Jahren kenne und mit ihren Stilen vertraut bin. Bei der Platzierung der Illustrationen wollte ich eine Gewisse Balance haben, deshalb gibt es am Ende und am Anfang jeweils eine Illustrationen und in Kapitel zwei bis fünf zwei Illustrationen."


Für die Kapitelblätter hattest du eine besondere Idee. Beschreibe uns diese kurz.
Wie bist du darauf gekommen und wie verlief die Umsetzung?


Alexander: "Die Idee für die Deckblätter entstand im Dialog mit Kevin und Patrick. Die Titel der Kapitel beschreiben den Genesungsprozess eines Menschen. Das Buch beschreibt die Wandlung eines egoistischen zu einem emotional gereiften Menschen. Kurz: es geht um Menschwerdung. Nun kam uns die Idee zuerst eine abstrahierte menschliche Gestalt in einer dunklen Umgebung zu zeigen, die mit den folgenden Deckblättern immer konkreter, immer menschlicher wird. Schlussendlich erhellt ihr inneres Leuchten, den dunklen Raum."


Du warst sofort bereit viel Mühe und Zeit in ein Charity-Projekt zu investieren, wofür wir dir besonders Danken. Wie hat dir die Zusammenarbeit mit SternenBlick gefallen? Wie empfindest du insgesamt den Ansatz?


Alexander: "Die Zusammenarbeit mit SternenBlick war angenehm und unkompliziert. Es hat mir viel Freude bereitet bei diesem Projekt mitzumachen. Ich finde es sehr gut, dass ihr Dichtung ein neues und moderneres Image geben wollt. An eurem sozialen Engagement können sich andere Verlage ein Beispiel nehmen. Zum Schluss möchte ich mich bedanken, dass ich an dem Buch mitwirken durfte. "


Ich danke Alexander für seine bereichernden Illustrationen zu "Hirnherbst" und für das Interview. Mehr von Alexanders Kunst, könnt ihr auf seiner Facebook-Seite finden.


Verpasst nicht das Interview der Zwillinge Kevin und Patrick Hattenberg zu ihrem besonderen Band "Hirnherbst".


*Alle Bilder in diesem Artikel stammen von Alexander Maul und sind Teil von 'Hirnherbst'.



Stephanie Mattner ist Herausgeberin der Anthologie-Reihe SternenBlick
und hauptverantwortlich für das Projekt.

Mehr über Stephanie erfahrt ihr hier.






Kontakt

Stephanie Mattner
Redaktion "SternenBlick"
Postfach 20 01 41
13511 Berlin
kontakt@sternenblick.org

Nutze auch gern unser
> Kontaktformular

Newsletter

Verpasse keine wichtige Ausschreibung, Publikation oder Neuigkeit mehr von SternenBlick:

Teilen