Eine Anthologie feiert Premiere

Die Heimat des SternenBlick-Projektes ist Berlin. Da ist es naheliegend das Projekt
mit den Poeten und Poetinnen der Hauptstadt zu verknüpfen.
Auftakt bildet die frisch erschienene Anthologie "Pulsgeworden" und dessen Premierenlesung.

Von Kuchen und anderen Highlights

Am 04. September war es soweit und wir hatten unsere Premierenlesung von "Pulsgeworden". Ein herzliches Zusammentreffen von einigen der in der Anthologie vertretenen Autoren (siehe Bild) mit Kaffee, Kuchen und literarischen Köstlichkeiten.

Im Café Mahlsdorf in Berlin, fanden sich Stefanie Kieselmann, Magnus Tautz, Sabine Wreski, Lena Helm, Eileen Metzold, Horst Jahn, Sabine Kiel, Franziska von Schleyen, Heike Puls, Vivien Ruthardt und Nadine Ihle ein und lasen. Aus „Pulsgeworden“ unserem brandneuen Sonderband.


Mit leckeren hausgemachten Kuchen und Torten wurden wir von der zauberhaften Berliner Seele Sabine versorgt. Gemeinsam mit Peter wuppten die beiden auch den kulinarischen Ansturm vor der Lesung und in der 30 minütigen Pause. "Wir hätten nicht gedacht, dass wir es zu Zweit schaffen!", so Sabine in ihrer Ansprache.


Auch wurden in der Pause weitere Pläne geschmiedet. Der Autor von „Heinersdorfer Brücke“ Magnus Tautz und die zauberhafte Eni Nexyt, beide aus Pankow, schwebte schon die nächste Lesung vor Augen. „Über Berlin“ bekäme in diesem Falle eine doppeldeutige Symbolik mit einem dynamischen Charakter nebst Grünewälder Idylle. Aber zu viel soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden.


Neben den Anthologie-Teilnehmern wurden die Plätze selbstverständlich auch mit Gästen gefüllt. Insgesamt fanden sich 40 Interessierte ein, die der Lesung im beschaulichen Café  lauschten. Da musste man schon ordentlich zusammenrücken, denn eigentlich bietet das Café nur 30 Plätze. Trotzdem oder gerade deswegen, fühlten sich aber alle in diesem Beisammensein wohl. SternenBlick verbindet eben auch und führt Menschen aller Altersgruppen zusammen, die gemeinsam ihrer Leidenschaft für Poesie frönen.

Anthologie mit (kritischer) Liebeserklärung

Wie fühlt sich das eigentlich an, wenn eine Stadt »wird«?
Geht das überhaupt und wenn ja, ist Berlin überhaupt dafür gemacht?

Sie ist. Der Meinung sind zumindest schon mal die beiden Herausgeberinnen Stephanie Mattner und Jennifer Hilgert, die Anfang April den Literaturwettbewerb zum Berliner Sonderband ausschrieben.
Welche 'gewordene' Hauptstadt wurde geteilt, wieder vereint, hat Szene, Stil und Dynamik in Vergangenheit und Zukunft? Im Hier und Jetzt. Am Abend wie am Morgen und dass, obwohl Peter Fox bereits 2009 eher ihr Morgengrauen besang: "Guten Morgen Berlin, du kannst so hässlich sein, so dreckig und grau."


Hommage an Stadt und gute Wünsche

»Pulsgeworden« ist eine Hommage an die deutsche Hauptstadt geworden. Über 180 Beiträge sind zusammengekommen, davon sind die 70 ausgewählten Beiträge poetische Blickwinkel aus der Sicht von 65 Poeten und Autoren, die den Berliner Stadtalltag mit ihren ganz eigenen Worten Leben eingehaucht haben. Das ist, was diese Anthologie zu einer ganz besonderen macht. Es ist keine reine Liebeserklärung an die »Stadt der tausend Gesichter«, aber eine ehrliche, eine kritische.

Ausgangspunkt des nunmehr vierten Sonderbandes aus dem Hause SternenBlick, ist wieder der gemeinnützige Kern. Auch bei diesem Buch wird der Erlös einer gemeinnützigen Einrichtung gespendet. Die magische Grenze liegt bei 500 Euro. Sobald diese erreicht ist, wird das Geld übergeben. Aktuell sind die "Roten Nasen" die Begünstigten.

Herausgeben als Herausforderung

Die beiden Herausgeberinnen Jennifer Hilgert (links) und Stephanie Mattner (rechts) sind »stolz wie Bolle« auf das fertige Werk.

»Wahnsinn, dass man einen solchen Band, nur über die Zusammenarbeit im Netz, möglich machen kann ohne sich ein Mal Auge in Auge gegenüber gesessen zu haben«, so Jennifer über die Entstehung des Buches. Mit »Pulsgeworden« gab sie ihr Debüt als Mitwirkende und die Zusammenarbeit mit Stephanie Mattner behält sie in guter Erinnerung.

Stephanie hat da schon etwas mehr Erfahrung mit dem »Werden lassen« von Printbüchern und e-books. Sie beschreibt sowohl die große Anzahl an übereinstimmenden Beiträgen, die Einigung zur letzendlichen Auswahl der beiden Herausgeberinnen als auch die »Werdung« von »Pulsgeworden« als äußerst gelungen: »Man hat nicht immer eine so große Anzahl hochwertiger Texte. Schade, dass wir wie immer nicht genügend Platzkapazitäten hatten.«



Lokalkolorit – Stadtgetrieben und Pulsgeworden

Auf 140 Seiten finden von pochenden bis provokanten Themen, die lyrisch und prosaisch aufbereitet wurden, auch noch Illustrationen und Fotografien ihren Platz, die der Berliner-Anthologie einen ganz eigenen Charme verleihen.

«Neben Alex, Fernsehturm und Tauben, Politik, Kreuzberg und Kuriositäten, Schnauze, Charme und Mucke ist »Pulsgeworden« einfach »Berlin uff'm Punkt«.

Nicht mehr. Und nicht weniger.
Ein Tipp für jeden Berliner und solche, die es nicht oder doch werden wollen.

Eine bunte Premierenlesung

Und natürlich muss so eine Anthologie auch ausgiebig gefeiert werden. Und das standesgemäß mit einer Lesung und die war abwechslungsreich, berührend, lebendig, witzig und hatte ganz viel charme. 11 Autoren der Anthologie präsentierten ihre Prosatexte und Gedichte:

Zuerst startete Stefanie Kieselmann mit ihrem Prosatext „Wahlberlinerpoesie“. Eine wilde Fahrt durch die City, inklusive Ticket für S. Und Tram. Und U. Und Bus. Gerüchen, die nicht ganz nach Kuchen und Kaffee dufteten. Berlin als Gelebte.

Ganz anders Lena Kelm. Das Kind Russlanddeutscher Eltern beschreibt ihre ersten Eindrücke von Deutschland aus dem Jahre 1993 und Berlin so: „Für mich roch Deutschland nach Kaffee.“ Mit ihrem Prosatext „Acht Stücke Bienenstich“ brachte sie ihr Publikum zum Lachen und bastelte aus einer typischen Neukölln Cafészene einen einen wahrhaftigen Ausschnitt aus dem Berliner Stadtalltag.

Sabine Wreski sorgte mit gleich zwei Beiträgen für Applaus. „Multiple Choice“ war allerdings das Gedicht, mit Mehrfachnennung. Wir sind froh, dass sie in unserem Band mit dabei ist.

Eileen Mätzold, die Frau mit Hut, Leipzigerin, aber mit immerwährenden Fäden nach Berlin, trug in einem beeindruckenden Vortragston mit einem Hauch von Poetry Slammery ihr „Gemachtes, Berliner Gesicht“ vor und verriet, dass der Text bereits vor vier Jahren verfasst wurde.

Magnus Tautz, den ich in meiner Aufregung, mittels Zahlendrehers, beinahe 18 Jahre jünger machte, nahm uns mit an die „Heinersdorfer Brücke“.

Von da aus war es nicht weit zum „Felidentraum“ von der wunderbar-geduldigen Vivienne Ruthardt, die ich wiederum von 26 auf 18 Jahre „degradiert“ hatte. Ganz und gar nicht böse gemeint zeugt ihr Beitrag so oder von poetischem Verständnis und Reife, dass sowohl der Blick auf die Brücke, als auch der von oben eine wunderbare jahreszahlenunabhängige Symbiose ergaben.

Horst Jahn sorgte mit seiner „Ode an die Spree“ mitten im einundachtzigsten Lebensjahr steckend und „nur noch Mensch seiender, vom Berliner Dunst in die Sterne Blickender“ für inniges lyrisches Schweigen, poetisch pulsierend. Beinahe episch.

Sabine Kiel bot uns einen Blick aus der Ringbahn auf die Hauptstadt. „Ich werde bleiben“ heißt ihr Text und sie bot uns einen kreisendes und pulsgewordenes Treiben rund um Zeit und Raum, Leben und Leben lassen.

Mit der Zeit ging auch Franziska von Schleyen, meine liebe Kollegin und Vorsitzende von ARS – meinem AutorenVerein RheinMain-Szene. Sie erklärte uns was ein Momentum ist und ließ einen ganz anderen Blick auf den „HohenzollernDAMM“ zu.

Heike Puls trägt den Tiel im Namen: Sie lud uns ein, ihren beiden Texten zu lauschen. Der Lyrik, die sich im Band befindet und ebenso der Rohfassung. So konnten wir an der Entstehung und dem Ursprung von „Stadtgeflüster“, das eigentlich mal den Titel „Nachtgeflüster“ trug, gleichermaßen teilhaben.
Ein Text ist eben nie fertig, auch wenn man ihn fürs erste verabschieden mag …

Den Abschluss machte Nadine Ihle aus Nordhorn. „Die verlorenen Farben“ ist ihr Prosa Text in „Pulsgeworden“ und wir freuen uns, dass sie mit diesem Teil des „Pulses“ ist.

Nach einem herzlichen Abschied stand schnell fest, dass wir uns alle bald wieder sehen wollen. Diese gelungende Premierenlesung war deshalb nur der Auftakt zu einer Lesereihe durch die Café's, Bars, Bibliotheken und Gelegenheiten Berlins, die in den nächsten Monaten stattfinden sollen. Wir freuen uns schon...



Jennifer Hilgert ist Autorin, Dichterin, Bloggerin und Mitglied im Team "SternenBlick", wo sie sich für Twitter und YouTube besonders einsetzt.

Mehr von Jenny's lesenswerten Artikeln und Gedichten, findet ihr auf ihrem Blog:
schriftverkehr.net



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Stephanie Mattner
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