Farbklänge am Horizont

Im vierten Band aus SternenBlicks-Reihe "Poetenförderung", stellen wir Euch Anka Röhr vor.
Erst spät in ihrem Leben fand die Künstlerin auch zum lyrischen Ausdruck für ihre Gedankenwelt.
Mit "Farbklänge am Horizont" gelingt ihr eine besondere Kopplung von Bild und Text.
Wie alles begann, verrät sie uns nun im Interview.

Poesie lebt!

Unsere neueste Veröffentlichung aus der Reihe "Poetenförderung", unterscheidet sich auf besondere Weise von den bisherigen.
Zum ersten Mal wagt sich SternenBlick an die Herausgabe eines Bildbandes. Grund dafür ist, dass die Poesie von Anka Röhr durch die dazugehörige Bebilderung lebt und es ihr eine Tiefe gibt, auf die wir nicht verzichten wollten. Entstanden ist ein querformatiger Band mit 40 Lyrik-Bild-Kompositionen unter dem Titel "Farbklänge am Horizont".
Wie es zu dem Titel kam und auf welche Weise ihre Bild-Texte entstehen, verrät uns die Autorin im Interview:

SternenBlick im Interview mit Anka Röhr


Du hast erst sehr spät in deinem Leben begonnen, dich selbst mittels lyrischer Gedanken auszudrücken. Sicherlich kannst du dich noch erinnern wie der erste Text entstanden ist. Was hat dich inspiriert (und ist er unter den Texten im Buch?)


Anka: "Eigentlich hatte ich bis dahin mit Schreiben gar nichts im Sinn. An den ersten kleinen Text kann ich mich noch ganz genau erinnern. Ich hatte Urlaub, es war ein regnerischer Tag. Durch die Fensterscheibe hatte ich ein Foto von einem Baum gemacht. Dieses Foto und die Regenwetterstimmung erzeugten in mir das Bedürfnis, ein Regengedicht zu "bebildern". Ich durchsuchte das Internet nach einem passenden Gedicht – aber die Suche war vergeblich. "Dann schreib doch selbst eins" riet mir mein Mann. Ich und Gedichte? „Nein, das kann ich nicht …“. Und dann habe ich es - sozusagen aus der Not heraus - doch versucht und so meine späte Liebe zum Wort entdeckt. Das kleine Regendicht ist nicht im Buch veröffentlicht.
Eine Inspirationsquelle bezüglich der Form der Gedichte war Annemarie Schnitt, eine Lyrikerin aus Northeim, deren Gedichte mich tief berührt haben und von der ich auch schon vorher Gedichte bebildert hatte. "


Welches ist dir dein persönlich wichtigster Text (aus dem Buch)?
Was macht diesen Text so besonders für dich?


Anka: "Das ist eine schwierige Frage. Im Grunde ist ja immer der Text der wichtigste, der gerade in Arbeit ist. Wenn ich mich nun aber doch für einen Text entscheiden soll, dann würde ich – im Moment – diesen Text wählen:

Ich finde es so unglaublich, wie kürzeste Momente – ein Ton, ein Wort, ein Blick - das Leben ändern können; dadurch, dass es einem gelingt, die Dinge in einem anderen Licht zu sehen. Nur durch einen Blick verstehe ich, wie etwas gemeint war, ein Wort erhellt die Vorstellungen, ein Ton erzeugt eine Stimmung, die mein ganzes Lebensgefühl umfärbt. Das feine Wahrnehmen der kleinen Dinge ist so wichtig, immer wieder neu zu schauen – und sich nicht von falschen Vorstellungen täuschen zu lassen."


Die bekannte Frage: Henne oder Ei. Was war zuerst: deine künstlerischen Bildkompositionen oder deine lyrischen Textgebilde? Und wie sieht der Entstehungsprozess konkret aus?


Anka: "Zwar begann alles damit, dass ich einen passenden Text zu einem Bild suchte. Jetzt ist es jedoch meist so, dass alles mit einer Beobachtung oder einer Stimmung beginnt, die ich in Worte fassen möchte. Dabei entstehen dann innerlich parallel dazu Bilder oder auch eher Bildstimmungen. Fertig ist meist erst der Text, der mir dann Grundlage ist für die Bildgestaltung. Es kann dann allerdings auch passieren, dass sich im Verlauf der Gestaltung noch einmal der Text ändert, weil sich durch die Farben und die Formen neue Aspekte herauskristallisieren. Und manchmal läuft alles gleichzeitig…"


Einige Zeit hatten wir zusammen überlegt, wie wir dein Werk betiteln wollen.
Was hat dich zum finalen Titel "Farbklänge am Horizont" bewogen?


Anka: "Die erste Idee war ja „Der Stille lauschen“. Weil dieser Titel nun schon vergeben war, musste ein anderer Titel her. Dass es nun „Farbklänge am Horizont“ geworden ist, freut mich sehr, weil da nun auch noch die Farben mitklingen, die ja eine erhebliche Rolle bei meinen Wortbildern spielen.

Ehe ich etwas in Worten ausdrücke, erscheint für mich etwas wie am Horizont, der Horizont steht in dem Sinne vielleicht auch für eine Ahnung. Aber das sind eben noch keine Worte, sondern die Empfindungen davor, Schwingungen, Farbeindrücke oder auch Klänge, die sich dann verdichten zu den Wortbildern. Das Bild des Horizonts finde ich so schön, weil es immer noch etwas dahinter gibt, was man im Moment aber noch nicht sehen kann – so etwas wie eine verborgene Schatzkammer."


Wir sind auf deine ganz eigenen Gedicht-Bild-Kompositionen bei Facebook aufmerksam geworden und uns war von Anfang an klar, ein Gedichtband mit dir, darf nicht nur den Text abbilden, weil Bild und Text bei dir eine untrennbare Symbiose haben. Wie wichtig ist dir in diesem Zusammenhang Facebook als Medium dich bzw. deine Werke zu präsentieren?


Anka: "Ohne Facebook wäre ich wohl gar nicht zum Schreiben gekommen. Anfangs hatte ich bei Facebook nur Fotos veröffentlicht. Das erschien mir irgendwann zu wenig und so suchte ich Texte, denen ich durch eine Bildgestaltung versuchte ein „Gesicht“ zu geben. Alle diese Bebilderungen – seien es Zitate, Sprüche oder Gedichte anderer – und seit Mai letzten Jahres auch meine Texte habe ich in Facebook veröffentlicht – insofern ist Facebook „mein“ Medium.
Dass es nun auch etwas „Gedrucktes“ mit meinen Bebilderungen gibt, das ist eine „neue Dimension“ dank SternenBlick!"


Wir erinnern uns noch genau, als du hocherfreut über deine erste Veröffentlichung im SternenBlick Jahrbuch 2015 "Zwischen den Wolken" warst und du seither dem Projekt immer die Treue gehalten hast. War die Zustimmung, auf unsere Anfrage zu deinem eigenen Autorenband, da nur eine logische Fortführung?


Anka: "Ja, das kann man gar nicht besser ausdrücken. Die Anfrage von SternenBlick kam auf den Tag genau ein Jahr, nachdem ich mein erstes kleines Gedicht geschrieben hatte. Ich kann es eigentlich noch gar nicht richtig fassen, dass nun ein Buch mit den Texten und den Bildern zusammen erschienen ist. Und ich möchte mich noch einmal ganz herzlich bei Dir bedanken, Stephanie, für Deine guten Ideen und den Weg von der ersten Anfrage bis zum fertigen Buch. Das hat wirklich Spaß gemacht."


Wie wird es weiter gehen. Gibt es schon neue lyrische Projekte, die du konkret im Blick hast?


Anka: "Nein, Projekte habe ich nicht. Ich hoffe, dass der Strom nicht versiegt und freue mich, diese Art der Bebilderungen als meine künstlerische Ausdrucksform gefunden zu haben."


Ich danke Anka für das schöne Interview und die lieben Worte :).
Weitere Informationen zum Werk "Farbklänge am Horizont" findet ihr in der Rubrik Poetenförderung.



Stephanie Mattner ist Herausgeberin der Anthologie-Reihe SternenBlick
und hauptverantwortlich für das Projekt.

Mehr über Stephanie erfahrt ihr hier.





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Stephanie Mattner
Redaktion "SternenBlick"
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